Für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, welche außerhalb von Städten leben, ist der Zugang zum ÖPNV sehr wichtig. Und da die Weltbevölkerung altert, müssen Regierungen und Verkehrsbetriebe neue Wege finden, damit diese Bürger den Anschluss zur Gesellschaft nicht verlieren.

Deutschland hat einen der höchsten Seniorenanteile in Europa und schreitet dabei als Vorbild voran. Bis 2022 ist ein barrierefreier ÖPNV nach dem deutschen Personenbeförderungsgesetz in allen Regionen vorgeschrieben. Bedarfsgerechte “On-Demand-Mobilität”, bei der die Fahrgäste über eine Smartphone-App oder per Telefon in Echtzeit eine Fahrt bestellen, kann Deutschland helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Die Einführung dieses Verkehrsmittels bewirkt zudem einen positiven Effekt auf das gesamte ÖPNV-Netz, indem Fahrgäste an Linienbusse und Züge angebunden werden. Damit bleiben Verkehrsbetriebe in der sich schnell entwickelnden, technologiegetriebenen deutschen Mobilitätslandschaft relevant.

Wie Pech und Schwefel: Wie multimodale Systeme und On-Demand-Mobilität perfekt zusammenpassen

Die Barrierefreiheit des ÖPNVs ist nicht nur eine Frage von Niederflurbussen im festen Streckennetz. Es geht um die Erkenntnis, dass aufgrund physischer oder geografischer Einschränkungen nicht alle Bürger ohne ein eigenes Fahrzeug zu Fuß zu einer Bus- oder Bahnhaltestelle kommen und damit Zugang zum öffentlichen Verkehrssystem haben.

Digitaler On-Demand Bedarfsverkehr ist perfekt geeignet, um diese  Versorgungslücken auf der ersten/letzten Meilen zu schließen: er dient als eine Art Brücke, die die Fahrgäste sowohl physisch als auch virtuell mit dem gesamten ÖPNV-Netzwerk verbindet.

Multimodalität ist im modernen ÖPNV nicht wegzudenken, weil sie den Menschen erlaubt, aus einer Vielzahl von Beförderungsmöglichkeiten auszuwählen. Viele Regionen in Deutschland befinden sich bereits im Umbruch. So betreut beispielsweise der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ein integriertes ÖPNV-Netz, das es den Fahrgästen ermöglicht, mit derselben Fahrkarte auf jedem verfügbaren Verkehrsmittel in der gesamten Region zu reisen. In Berlin nehmen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Bike-Sharing und Car-Sharing in ihr Verkehrssystem auf, während in Augsburg alle diese Angebote gegen eine monatliche Pauschalgebühr abonniert werden können.

Teil des Trends der Kombinierbarkeit von verschiedenen Beförderungsmöglichkeiten, ist der sogenannte “Commingling”-Ansatz. Beim “Commingling” werden mehrere bedarfsgerechte Angebote, in denen verschiedene  Fahrgastkategorien befördert werden,  kombiniert.

Ein Senior mit einer Gehhilfe kann beispielsweise für seinen Termin in der Innenstadt einen Tür-zu-Tür-Fahrdienst anfordern, während seine Nachbarin vom selben Fahrzeug abgeholt wird um zur S-Bahn Station zu gelangen, um dort ihre Fahrt multimodal fortzusetzen. Beide erhalten dabei verschiedene Dienstleistungen, aber teilen sich dabei dasselbe Fahrzeug.

Für Verkehrsbetriebe, die noch keine multimodalen Angebote haben, kann ein so gedachter Bedarfsverkehr zu einer individuellen Herangehensweise an den ÖPNV beitragen.

Uber bei Seite: Wie der Bedarfsverkehr bei der Digitalisierung des öffentlichen Verkehrs hilft  
Taxis und andere Fahrdienstleister werden seit Jahrzehnten von Verkehrsbetrieben innerhalb des Verkehrsverbunds eingesetzt. Doch als sogenannte “Transportation Network Companies” (TNCs) wie Uber und Lyft auf den Plan traten, wurden die Grenzen des klassischen Anruf-Sammel-Taxis, bei der die Fahrgäste ihre Fahrten nur telefonisch im Voraus und ohne Echtzeit-Informationen buchen können, klar.

Heute ist die TNC-Erfahrung selbstverständlich: bequem, einfach zu bedienen und übersichtlich auf unseren Smartphones. Doch wenn es darum geht, das Gemeinwohl im Auge zu behalten und einen gerechten Zugang zum subventionierten ÖPNV zu ermöglichen, können wir uns nicht auf private Unternehmen verlassen. Als CleverShuttle, ein privater deutscher Ridehailing-Anbieter, wiederholt keine schwarzen Zahlen schreiben konnte, hat es sich Ende 2019 aus mehreren Märkten zurückgezogen; öffentliche Verkehrsbetriebe können dies nicht.

Doch sie können das Beste von der TNC-Erfahrung übernehmen und innerhalb ihres Beförderungsauftrags allen Fahrgästen weiterhin erschwinglichen ÖPNV anbieten. Und sie können dies unter Einsatz ihrer eigenen Fahrzeugflotte oder vertrauenswürdiger Drittparteien wie Taxis machen.

Das Coronavirus, die Klimakrise und darüber hinaus
Wie an vielen anderen Orten auf der Welt hat die COVID-19-Pandemie die gesamte Personenbeförderungsindustrie, ÖPNV und Taxis inbegriffen, in Deutschland massiv unter Druck gesetzt. Obwohl die Nachfrage drastisch zurückgegangen ist, hat die Notwendigkeit des “Abstandhaltens / Physical Distancing” dazu geführt, dass der ÖPNV zu höheren Kosten bei geringeren Einnahmen betrieben werden muss.

Die Fähigkeit, sich schnell an veränderte Umstände anpassen zu können, ist fester Bestandteile von modernen, bedarfsgerechten Transportlösungen. Mit ihm können Verkehrsbetriebe die Nachfrage gezielt überwachen, Fahrpläne verwalten, Kapazitäten leichter regulieren oder erhöhen und den Betrieb agil und dynamisch aufrechterhalten.

Die Digitalisierung (neben der Elektrifizierung) ist ein Schwerpunkt der deutschen Verkehrspolitik, und das Coronavirus hat das Engagement für einen umweltfreundlichen ÖPNV nur noch verstärkt: Das Umweltministerium hat vor kurzem ein Konjunkturpaket vorgelegt, das klimafreundliche Investitionen im Mobilitätssektor fordert, um damit die Wirtschaft wieder aufzubauen. Um im Kampf gegen den Klimawandel eine größtmögliche Wirkung zu erzielen, müssen sich täglich mehr Menschen für den geteilten über den Individualverkehr entscheiden.

On-Demand Bedarfsverkehr kann dabei ein Vektor für diesen Wandel sein. Er kann dank einer Tür-zu-Tür-Bedienung so bequem wie ein Privatfahrzeug sein und dank der optimierten Routing-Algorithmen fast genauso schnell. Er kann mehr massgeschneiderte ÖPNV-Lösungen bieten und zu Verhaltensänderungen ermutigen, indem er zuverlässig und stets verfügbar ist.  

Der Auftrag, einen barrierefreien ÖPNV in Deutschland anzubieten, ist ein wichtiger Grund, einen bedarfsgerechten Verkehr in Städten und Regionen einzuführen. Seine potenziellen Auswirkungen darauf wie sich das gesamte Land fortbewegt sind jedoch noch größer.


Spare ermöglicht On Demand Bedarfsverkehr in Verkehrsverbünden auf der ganzen Welt. Wir helfen Verkehrsbetrieben dabei, fundierte Entscheidungen zum Einsatz von Technologie zu treffen, damit sie mit ihren Budgets mehr erreichen können. Möchten Sie mehr darüber erfahren? Sie finden uns auf LinkedIn oder können uns unter darian@sparelabs.com eine Nachricht schreiben.